Golf: Die Entdeckung der Langsamkeit

>Wie weit ist es zur Fahne?<, wollte Walter, einer unser Golffreunde am dritten Loch von mir wissen. "Annähernd 130 Meter - doch es geht leicht aufwärts", gab ich zur Antwort.
>Geht's denn nicht etwas präziser?<, fragte er gereizt.  
Der Mann nervte ...  und wie  –  doch das sollte ab nun Schnee von gestern sein. 
Denn Walter –er hat immerhin ein 11er Handicap – hat sich diese moderne, ultimative Garmin-GPS-Uhr zugelegt. >Stolze 299.99 Euro habe ich dafür hingeblättert<, erklärt er uns, als wir wieder einmal zu viert auf der Runde waren. >Das Ding ist nicht nur ein ‘must have’ für jeden Golfer, sondern schlichtweg sensationell!< 

Nicht ohne Stolz hielt er uns seinen Arm unter die Nase: >Auf jeder Spielbahn kann ich exakte Längen und strategische Punkte abrufen, sehe am Touchdisplay auf Knopfdruck die Ansicht vom Grün. Und das von 30.000 Golfplätzen weltweit, 
müsst ihr euch vorstellen. Dazu bekomme ich via Smartphone E-Mails, Anrufe, SMS und Termine angezeigt – einfach klasse!
Wir nickten beeindruckt und waren gespannt, ob wir die Golfrunden mit Walter zukünftig doch etwas entspannter genießen können?

Die Löcher eins und zwei spielten wir problemlos. Auch am dritten Loch (-langen Par  mit lief es zunächst gut, unsere vier Bälle lagen nach dem zweiten Schlag nicht weit auseinander.

Wie Tage zuvor  lag Walters zweiter Ball wieder etwa 130 Meter vor der Fahne. Er schaut auf sein GPS.  >Exakt 134,22 Meter zum Loch<, sagt er.  Doch um sicher zu gehen fragt er sein Hasi, die natürlich ebenfalls diese GPS-Uhr (ein Geburtstagsgeschenkvon ihm) hat. "Wieviele Meter, Hasi?<, wollte er wissen.
Hasi stand einige Meter abseits,schaute pflichtschuldigst auf 's GPS. >138 Meter<, sagte sie. Walter schnaubte.  
Nun wollte er es aber genau wissen, kramte umständlich wie immer im Bag, zog den ultimativen Golf-Pro-400-Entfernungsmesser heraus (der mit Laser arbeitet und exakte Distanzen zur Fahne in sechsfacher Vergrößerung am LCD-Display anzeigt), schaute uns  triumphierend an: >134,22 Meter!<, und warf ‘Hasi’ einen strafenden Blick zu.  
Nun hatte er die präzise Distanz zur Fahne  – unbeholfen wie eh und je gab er den Entfernungsmesser zuerst in die Hülle, verrstaute ihn dann im Bag. 
Doch was folgte, gestaltete sich noch umständlicher als die Klärung der Entfernung: Prüfend beäugte er seine Schläger, griff sich ein Eisen, wog es in der Hand.  >Würdest du  für diese Distanz das 8er-Eisen nehmen oder eher das Wedge?», fragend schaute er mich an
>Das liegt bei dir. Ich vermute, dass du das Green weder mit dem Eisen noch dem Holz triffst!<  Jetzt hatte ich ihn beleidigt!
Er griff sich Eisen 8, holte aus. Schwungvoll flog der Ball Richtung Green. Knapp davor kommt er am Fairway auf und rollt, rollt und rollt, bis er im Gestrüpp dahinter verschwindet. >Schlecht getroffen<, murmelte er.  

Um es kurz zu machen: Für 18 Löcher waren wir, einmal mehr, gute fünfeinhalb Stunden unterwegs. Das ‘kühle Blonde’ nach der Runde im Clubhaus hatten wir uns redlich verdient!


Nicht trödeln, spielen!

Walters nonchalante Art, ein zügiges Spieltempo zu verhindern, daran hatte auch die neueste GPS-Golfuhr nichts geändert. 

Zweifelsfrei ist die Golf-Navigation eine tolle Erfindung. Am Armgelenk
getragen ist der Nutzen unbestritten: Muss doch die Uhr nicht -wie die die Distanzmesser nicht immer erst umständlich rausgeholt und danach wieder eingepackt werden. Das spart Zeit. 
Es wäre daher falsch, in diesem Hilfsmittel die Schuld zu suchen, dass Golfrunden oft wesentlich länger dauern als  etwa vier Stunden. Im Normalfall versteht sich!

Doch leider lassen sich viele Golfer für eine Runde viel, zuviel Zeit - verzögern den Spielfluß aus den unterschiedlichsten Gründen:  
Sehr zum Unmut und auf Kosten der anderen Golfspieler. 
Warum das so ist? 

Weil es leider Golfspieler  gibt,  die (manchmal sogar unbewusst) nur ihre 
eigenen Wünsche, Interessen und Ziele im Auge haben. 
Andere  wiederum haben die ‘Geiz-ist-geil-Mentalität’: Das on ihren Augen "teuer bezahlte Greenfee"  scheint ihnen das Recht zu geben, die Golfrunde nach eigenem Gutdünken egoistisch auszunützen. 

Bereits Niccolò Machiavelli  brachte es auf den Punkt: "Alles Streben, Verhalten und Handeln des Menschen, auch das unbewusste, zielt letztlich daraufhin, nur sein individuelles, persönliches Glück und Wohlbefinden zu erhalten und zu steigern." Also  nichts als purer Egoismus!