Golf - Ellbogenmentalität nimmt zu

Es ist die Ellbogenmentalität, die immer öfter das Verhalten mancher Golfspieler zu bestimmen scheint. Fast möchte man meinen, dass mit der steigenden Zahl der Golfer die guten Manieren und der respektvolle Umgang mit anderen auf der Strecke bleiben.

Jedenfalls ist es eine inakzeptable Entwicklung, die augenscheinlich dazu geführt hat, dass die Umgangsformen achtloser und rüder geworden sind. Die Golfetikette wird von vielen einfach nicht mehr beachtet oder sie kennen sie gar nicht. Rücksichtsvolles Verhalten und der Respekt den Mitspielern gegenüber schwindet und es gibt "Golfer" die sich wie Rowdys verhalten, dabei weder vor Streitigkeiten noch Handgreiflichkeiten zurückschrecken. 

Da scheint es ja fast das kleinere Übel, wenn langsames Spiel die Runde unnötig verlängert - schneller und besser spielende Flights nicht zum Durchspielen aufgefordert werden. Oder herausgeschlagene Divots auf den Fairways einfach liegen bleiben, Pitchmarken am Green nicht repariert und Spuren in Sandbunkern nicht geglättet werden. Oder dass niveaulose Zeitgenossen Zigardettenkippen, Bierdosen und anderen Unrat einfach irgendwo fallen lassen! 

Auch der "Dress-Code" ist ein Teil der Etikette-Regeln  -  daher ist golfadäquate Kleidung für die meisten echten Golfer eine Selbstverständlichkeit: Dass scheint aber viele, die sich als Golfspieler bezeichnen nicht zu interessieren!

Allerdings gehen solche Unzulänglichkeiten und Ärgernisse, wie die Erfahrung zeigt,  meist auf das Konto von Greenfee-Spielern - frei nach dem Motto: "Wir haben bezahlt und  tun  für unser Geld wir was wir wollen!"

"Werden Golfer immer egoistischer"

war der Titel eines kürzlich im renommierten >Schweizer Tagesanzeiger< erschienenen Interviews (*Tagesanzeiger) mit Yves.C.Ton-That, der sich als Regelexperte und Autor mehrerer Golfbücher einen Namen gemacht hat. Er kämpft an vorderster Front gegen diese negative Entwicklung. In einer von ihm durchgeführten Befragung aller Golfclub-Manager und Präsidenten der Schweiz, Deutschland und Österreich, teilten neun von zehn Rückmeldungen seine Meinung, dass in dieser Beziehung Handlungsbedarf besteht. "Die Verantwortlichen der Clubs sind hochsensibilisiert für dieses Thema. Es wird allgemein bedauert, dass die Etikette schleichend zerfällt. Ich habe niemanden gefunden, der sagt, dies sei kein Problem." sagt der  41-jährige Schweizer Regelexperte.

Diese negative Entwicklung  lässt Golfspieler, denen ein korrekter Umgang mit anderen Menschen wichtig ist, die Sportgeist und Fairness besitzen, keinesfalls unbeeindruckt. Das Spiel mit dem kleinen weissen Ball beruht nun einmal auf Ehrlichkeit (auch sich selbst gegenüber), es verlangt gegenseitigen Respekt, Disziplin und Einhaltung  aller festgeschriebenen Regeln: Werte, die allein den "Spirit of the Game" - den wahren Geist des Golfspiels ausmachen! 

"Langsames Spiel" - ein globales Problem

 "Das Problem mit dem langsamen Spiel ist global, damit kämpfen alle." meint Yves C.Ton-That und ergänzt u.a.: "Ein Grund ist, dass mit der Entwicklung zum Breitensport das Regel- und Etikettewissen (Etikette beherrschen),  nur ungenügend weitergegeben wird. Inzwischen gibt es Clubs, in denen alle Mitglieder neu sind in diesem Sport. Zudem glaube ich, dass in der heutigen Welt ein allgemeiner Rückgang von Ethik und Moral festzustellen ist. Es entspricht dem Zeitgeist: Jeder schaut vor allem auf sich selber."´

Mit dieser Aussage trifft er ins "Schwarze"! Wer kennt schon alle Golfregeln, die auf über 2oo Seiten definiert sind. und vor allem wer beherrscht sie?  Garantiert nicht diejenigen, die ihre Platzreife in einem "3-tägigen Schnellsiedekurs" irgendwo im Urlaub abgelegt haben. Vielleicht auch noch bei einem der unzähligen selbsternanten Pro's. Wenn man bedenkt, dass Golfer, die den Sport nach jahrelanger Praxis endlich beherrschen, Wochen, ja sogar Monate benötigt haben um die Platzreife zu bekommen. 

Wer sich ernsthaft mit dem Gedanken trägt, dieses schöne und interessante Spiel zu erlernen, der sollte sich unbedingt vor Augen halten, dass derartige Angebote und Versprechen, die Platzreife in wenigen Tagen zu erlangen, schlicht und einfach unseriös sind. Denn es geht ja nicht allein darum, zu wissen wie der Schläger gehalten wird - wie durch einen optimalen "Swing" der Ball zum "fliegen" kommt.... Mit einem Wort Golf ist nicht allein die Technik des Spiels. Es geht auch darum die Golf-Regeln und Etikette zu kennen und einzuhalten! 

Und gerade darauf sollte eigentlich von offizieller Seite, wesentlich mehr geachtet werden! Genauso, wäre es wichtig, dass Clubverantwortliche und Marshals entsprechend agieren, wenn Spieler in irgend einer Form die Etikette missachten - das entsprechende "Werkzeug" -die Regel 33-7- sieht es vor.

Hemmschwellen beseitigen

Golfplatzbetreiber, Clubmanager und Golfverbände, allen voran der DGV mit dem Präsidenten Hans Joachim Nothelfer, klagen über das angeblich stagnierende Interesse an Golf. Nothelfer verlangt daher Reformen, um es wieder anzukurbeln. Vor allem soll, wie er es formuliert "das Regularienwerk (....) sehr, sehr stark ausgeholzt werden" - er stellt aber auch "Vereinfachungen im Handicap-System" in Aussicht. Mit diesen Massnahmen will er die 25-40-jährigen, Berufseinsteiger und junge Familien für Golf interessieren.

Die eigentlichen Hemmschwellen sind jedoch keineswegs, wie behauptet wird, die Spiel- und Etikette-Regeln (*), oder der Dress-Code - auch nicht das elitäre, angestaubte Image, das Golf noch immer nachgesagt wird oder gar die Tradition des Spiels.

Für viele, die mit Golf liebäugeln und gerne damit anfangen sind die Kosten die Hemmschwelle, die sie davon abhält mit diesem Sport, der wie kaum ein anderer Körper, wie auch Geist auf Trab hält, zu beginnen. Bei anderen mag auch der Faktor "Zeit" eine Rolle spielen. Für einen Bruchteil der angepeilten Altergruppe sind es vielleicht die nach wie vor kursierenden Klischees (konservativ, Sport für Alte, dgl.), die eine Rolle spielen, dass Golf für sie uninteressant ist - während möglicherweise einige wenige auch vom "Jeans-Verbot" abgehalten werden!

Was nützt es also, wenn angebliche Hemmschwellen beseitigt, die "Regularien ausgeholzt", das Handicap-System vereinfacht und damit auch die Tradition des Spiels verändert wird - nur um den Golfeinstieg zu erleichtern. Es kann auch niemand so törricht sein zu glauben, dass ein Lockern der Bekleidungs-Etikette, die Erlaubnis künftig auch in Jeans Golf zu spielen, einen Massenandrang von Neu-Golfern auslöst!

Der Verlust von Werten

"Es entspricht wohl dem Zeitgeist, dass in unserer Welt ein allgemeiner Rückgang von Ethik und Moral festzustellen ist" sagt Yves C.Ton-That und mit dieser Aussage steht er sicherlich nicht alleine da.

In unserer modernen Gesellschaft besteht eine zunehmende "Ich-mache-was-ich-will"-Haltung. Immer mehr Menschen stellen sich über den Rest der Welt und scheren sich einen Deut darum, wie sehr sie mit ihrem Verhalten anecken und sich unbeliebt machen. 

Und das gilt auch für Golf: Man kann das Spiel zwar technisch erlernen, aber ohne  akzeptables Verhalten, angenehme Manieren wird man immer unangenehm auffallen und sich vor allem keine Freunde machen. Weder im richtigen Leben noch am Golfplatz!
Golf-Regeln: