"Links-Course" - Die Natur als Golfplatzdesigner

Es gibt nur wenige Länder auf unserem Planeten in denen es keine Golfplätze gibt. Und in einigen gibt es  auch einen, oft sogar  mehrere "Links-Courses". So auch am südwestlichen Zipfel der Costa del Sol, dem europäischen Golfparadies!

Es ist  ein ausgesprochen herausfordernder Golfplatz mit einem interessanten Layout, dieser  >Alcaidesa-Links<. Etliche blinde Löcher und stark geneigte Fairways lassen den Ball meist nicht dort zur Ruhe kommen, wohin der Golfer in gespielt hat. Von den Spielbahnen bieten sich -man möchte fast meinen zum Ausgleich für spieltechnische Unbill- traumhafte Ausblicke auf das Rifgebirge entlang Marokko's  Mittelmeerküste, auch zur spanischen Enklave am afrikanischen Kontinent - Ceuta . Und nicht zuletzt auf den imposanten Felsen von Gibraltar. 

Alcaidesa-Links
Die 18 Bahnen des >Alcaidesa Links< führen zwar entlang der Mittelmeeresküste, doch ein "Links-Course" im klassischen Sinn, das ist er nicht: Dafür fehlt vor allem die karge Dünenlandschaft, mit sandigem Boden, steifes Rough, borstiger Ginster und manchmal auch der unberechenbare Wind -der aber den meisten Golfern am wenigsten abgeht. Nicht zu vergessen auf die kleinen aber  tiefen Topfbunker. Aber gerade das sind die Hauptmerkmale der echten "True-Links" in Schottland!  Trotz dieser fehlenden "Links-Attribute"  ist es der Platz  allemal Wert gespielt zu werden  und sei es nur wegen seiner einzigartigen Lage am Endes des europäischen Kontinents.

Was bedeutet "Links-Course"?  

Wird "Otto-Normal-Golfer" gefragt, warum ein Links-Course so heisst, herrscht meist ratloses Schweigen. Ganz schlaue Golfer vermuten, dass er deshalb so genannt wird, weil die Spielbahnen eben "links herum" angelegt sind!

Andere sind der festen Überzeugung, dass bei einem "Links-Course" die Spielbahnen der Meeresküste entlang aufgefädelt sind, wie die Perlen einer Kette: Also miteinander "verlinkt" sind. Eigentlich einleuchtend – aber leider falsch!


Mit „Links“ ist  in diesem Fall auch nicht das Gegenteil von „Rechts“ gemeint.

Möglicherweise kommt „Links“ von dem Wort „hlink“, womit die alten Schotten dürr oder unfruchtbar meinten. Könnte aber auch sein, dass das „Links“ vor dem „Course“ etwas mit „to link“ zu tun hat und das wiederum bedeutet „verbinden“.

Gefürchtete Hindernisse vom Abschlag bis zum Grün

Im Schottland des 16. Jahrhunderts  wurden Golfplätze, auf sogenannten „Links-Land“, das zwischen Meer und fruchtbaren Ackerland liegt, angelegt – so gesehen auf unfruchtbarer, baumloser  Dünenlandschaft mit salzhaltigem Sandboden, kümmerlichem, borstigem Graswuchs, anspruchsloser Vegetation.

Dieser karge, von Wind und See gepeitschte Streifen Land konnte weder als Weideplatz, noch als Ackerland  genutzt werden -  als Golfplatz  aber allemal!

Das Layout der „Links-Plätze“ folgt der Natur – so machen unzählige natürliche Schikanen Golfern das Leben schwer: Kleine Wasserläufe, von hohen Dünen verdeckte Grüns,  struppige Rough’s, steifes Riedgras und Ginster, die einiges an Geschick, Mut und Kreativität erfordern,  um ins Spiel zu kommen.


Die Fairways der Links-Plätze sind eingebettet in spärlich bewachsene Dünenlandschaft, Böiger Wind pfeift um die Ohren. Der harte Sandboden  macht die  welligen Fairways unberechenbar und pfeilschnell - da wird der einfachste Schlag zur unlösbaren Aufgabe, die nur mit Strategie und angepasstem Spiel zu bewältigen ist: Etwa das von den heimischen Golfern praktizierte „Ground Game“ -  bei dem der Ball flach über die Bodenwellen getrieben wird. Kleine, abgrundtiefen Topfbunker, mit dicken Holzbohlen abgestützt – sind selbst von Profis gefürchtete Hindernisse.


Harte, pfeilschnelle  Grüns…., machen direktes Anspiel unmöglich – soll der Ball nicht auf der anderen Seite wieder davon rollen. „Lob‘s“ zur Annäherung sind die falsche Strategie.  Einzig zielführend: Ein „Bump and Run“! Durch den der Ball noch am Fairway aufspringt und auf‘s Grün rollt. Doch wer  von uns Continental-Golfern hat diesen Schlag drauf?  Wird er doch auf normalen Plätzen kaum benötigt.

Allerdings, "Links"-Plätze haben so manchem anderen Platz, im Landesinneren,  etwas voraus: Sie sind bei jeder Witterung problemlos bespielbar. Der karge Sandboden drainiert rasch Nässe, so entsteht weder Matsch noch Schlamm. In Küstennähe ist auchFrost sehr selten und zudem übersteht Linksland problemlos auch extreme Trockenheitsperioden. 

 „Links“ ist nicht immer „Links“

Weltweit gibt es 35.000 Golfplätze – doch nur etwa 245 davon sind „True-Links“ oder „Classic-Links“! Die auf authentischen Linksland und dem traditionellem Routing entsprechend angelegt sind: Die ersten 9 Löcher  verlaufen entlang der Küste („out“) - die zweiten 9  führen parallel dazu, mehr im Landesinneren, wieder zurück zum Clubhaus führen („in“).

Es gibt  aber auch „True-Links“ bei denen einige Löcher im Landesinneren angelegt wurden: Etwa der 1886 gegründete „Royal Lytham  St. Annes“.  Einer der ältesten Golf-Plätze der Welt „Gentlemen Golfers of Leith“ (erstmals urkundlich erwähnt 1552) - jetzt bekannt als „The Honourable Company of Edinburgh Golfers“ - entstand auf den „Leith-Links“ nahe Edinburgh. Obwohl ein typischer „Links“ muss man sich die Sicht auf’s Meer an manchen Löchern dazu denken.
Royal Lytham St.Annes - Links/Schottland
Wie erwähnt: Nicht jeder Küstenplatz ein „Links-Platz “. Etwa der weltberühmte „Pebble Beach Golf Links“ in Monterey / Kalifornien: Er gehört zweifelsfrei zu einem der schönsten Plätze der Welt – doch die steile Pazific-Küste allein macht ihn noch lange nicht zu einem „True-Links“– dazu fehlt ihm  eindeutig die Naturbelassenheit, sandiger Boden, karge Vegetation – nicht zuletzt auch der allgegenwärtige Wind! 

Kein Wind, kein Golf


Golfer, enthusiastische Golfer (auch wenn sie normalerweise nur bei schönen Wetter den Schläger schwingen), die einmal den "Kampf gegen die Natur" aufnehmen, sich auf's klassische Links Golfspiel einlassen, einmal einen echten, "Links-Course" in seiner puren, ursprünglichen Form bezwingen - werden sich wie bei den >Britisch Open< fühlen. Sie werden wie die Elite der Golfer gegen den Platz, die Elemente und nicht zuletzt gegen sich selbst kämpfen - immer in der Hoffnung, dass es gelingt!

Video British Open 2013 Muirfield-Links: http://youtu.be/GtNmV8LDFHk