Golf: "Nur ein geschenkter Ball ist ein sicherer Ball"


Einmal rein wissenschaftlich betrachtet: Golf ist die Verbindung von zwei grundverschiedenen Sportarten, die bei genauerem Hinsehen eigentlich wenig miteinander gemeinsam haben. Beim Abschlag  wird meist drauflos „gedonnert“,  damit der Ball möglichst spektakulär durch die Luft fliegt, je weiter, je lieber…. Das begeisterte „Wow“ zuschauender Mitspieler, wenn der Ball unendlich zu fliegen scheint,  wird dankbar, registriert.

Ganz anders dagegen  wenn der Ball dann am Green liegt, da sind "Singles"  - damit sind nicht unbeweibte Golfspieler gemeint, auch nicht Golferinnen die ohne Gegenpart leben - sondern schlicht und einfach  "Ausnahme- Golfer" die mit einem utopisch niedrigem Handicap brillieren. Mitunter aber auch solche, die es irgendwie geschafft haben, den Ball ganz nahe ans Loch zu schieben: Sie schleichen dann um's Loch, kontrollieren den Wuchs der Grashalme, beäugen penibel Breaks - akribisch werden kleinste Krümel entfernt….  und wozu der ganze Aufwand?




Damit der Ball  -darauf lässt sich wetten- dann haarscharf am Loch vorbei rollt..... meist nach etwa einem Meter, nicht selten auch um einiges mehr, liegen bleibt. Was folgt ist meist ein auffordernder Blick zu den Mitspielern: "Den nächsten Putt könnt ihr mir schenken"? Erfolgt wider erwarten keine Reaktion, na dann..... schenkt in sich der Pechvogel ganz einfach selbst.

Denn: " Nur ein geschenkter Putt ist ein todsicherer Putt." meinte einmal der 2009 verstorbene bekannte amerikanische Schriftsteller John Hoyer Updike (>Golf Träume<,erschienen 1996), der Zeit seines Lebens ein begeisterter Golfer war und er hatte damit ja eigentlich gar nicht so Unrecht!

Ein Geschenk das keines ist!
Golfspieler haben den Ruf, freundliche, generöse Menschen zu sein - auch untereinander. Es geht dabei nicht um Geld oder ähnliche Werte, keineswegs, sondern einfach um noble Gesten:  Denn bleibt beispielsweise der Ball eines Mitspielers  nahe –damit sind etwa  20, 30, 40  höchstens aber 50cm,  gemeint- am Loch liegen, wird der Ball  grosszügig „geschenkt“!  Denn bei diesem geringen Abstand kann theoretisch angenommen werden, dass der Spieler den Ball einlocht!?

Golfneulinge die das als Geschenk werten, irren sie gewaltig: Der Ball wird wohl geschenkt, weil eben die Mitspieler  glauben, dass der knapp vor dem Loch liegenden Ball mit dem nächsten Putt sicher ins Loch  befördert wird –  aber: Als Schlag gezählt wird er trotzdem!

Liegt der Ball aber weiter entfernt….., dann ist er zu spielen, gleichgültig ob Single-Handicaper oder Golf-Rabbit!  Denn auch Golfprofis haben den Ball, der  obwohl er nur wenige Zentimeter vor dem Loch lag,  schon vorbei geschoben!

Ausserdem: Geschenkte Putts…. gelten genau genommen nur auf e privaten Golfrunden!

Daher dürfen bei vorgabewirksamen Turnieren nach dem Zählspiel-/Stableford-System grundsätzlich keine Putt’s geschenkt werden!  Sonst riskiert der Spieler eine Disqualifikation (siehe Regel 3-2).  Der Ball darf auch nicht vorher aufgenommen werden, ausser wenn der Spieler am jeweiligen Loch keine Punkte mehr erzielen kann.

Allerdings... bis zur Einführung des Zählspiels (Stableford) im Jahr 1759, war das Loch-Wettspiel (englisch „Match Play“) die einzige Spielform. Bei dieser Art des Spiels, gelten andere Regeln.

Der Golf- Gimme
Beim Lochwettspiel kann ein Spieler seinem Gegner den letzten Putt schenken (Regel 2-4), wenn  dieser so nahe beim Loch liegen bleibt und problemlos eingelocht werden kann. 

Es gibt aber beim Lochspiel, durchaus erlaubte Grosszügigkeiten: So kann ein Spielpartner seinem Gegner auch Schläge, ganze Löcher,ja sogar das ganze Spiel schenken.  Ein geschenkter Schlag gilt für den „Beschenkten“ als eingelocht, ein geschenktes Loch gilt als gewonnen. Normalerweise wird das Loch aber nur dann geschenkt, wenn man selbst  keine Chance mehr sieht, es zu gewinnen und sicher ist, der Gegner hätte den Ball eingelocht. Aber: Einmal geschenkt, können  weder Schlag, noch Loch, aber auch nicht das vielleicht geschenkte Spiel zurückgenommen werden.




Doch genau genommen ist das„gezielte Schenken“ eigentlich nichts anderes als Taktik, um den Gegner in Sicherheit zu wiegen. 

"You drive for show, you putt for dough!" diesen besonders unter Profi-Golfern kursierenden Auspsruch von Arthur D'Arcy "Bobby" Locke (*1917 +1987), dem ersten international erfolgreichen Golfer Südafrikas, sollten sich auch manche Amateur-Golfer immer vor Augen halten: "Weite Drives sind für die Show - doch nur perfekte Putts bringen das Geld (umganssprachlich dough)!

Was lernen wir daraus: Putten ist das A und O im Golf. Wer gut abschlägt, kann dennoch ein schwacher Spieler sein, wenn er schlecht puttet. Wer gezielt und sicher seine Putts versenkt, ist dagegen fast immer ein guter Golfer – auch ohne „geschenkte Putt’s.

Regeln um "geschenkte Putts":

3-2 Nicht eingelocht
Locht ein Bewerber an irgendeinem Loch nicht ein und behebt
seinen Fehler nicht, bevor er einen Schlag vom nächsten Abschlag
macht, bzw., sofern es sich um das letzte Loch der Runde
handelt, das Grün verlässt, so ist er disqualifiziert.

2-4 Schenken von nächstem Schlag, Loch oder Lochspiel 
Ist der Ball des Gegners zur Ruhe gekommen, so darf der Spieler seinem Gegner den nächsten Schlag jederzeit als eingelocht schenken. Der Ball gilt als vom Gegner mit seinem nächsten Schlag eingelocht und jede Partei darf den Ball entfernen. Ein Spieler darf ein Loch jederzeit vor Beginn oder Abschluss des Lochs schenken. Ein Spieler darf ein Lochspiel jederzeit vor Beginn oder Abschluss des Lochspiels schenken. Ein Schenken darf aber weder zurückgewiesen, noch widerrufen werden.