Golfbälle - Sie haben es nicht leicht

Golfbälle haben es im Laufe ihres, mehr oder minder langen Golfball-Lebens, nicht gerade einfach! Da darf es uns Golfer eigentlich nicht wundern, wenn der Golfball nicht immer das tut, was wir Golfer gerne möchten und wie wir es uns, bei jedem Schlag, den wir dem Golfball "verpassen", in unserem "geistigen Auge" vorstellen: 

Wir erwarten, dass der Ball, den wir mit einem Super-Drive auf den Weg geschickt haben, mitten am Fairway und natürlich möglichst weit vorne landet: Doch der Ball kümmert sich keinen Deut darum, er dreht nach links -manchmal auch nach rechts-  ab und zu verkriecht er sich kaltschnäuzig zwischen den Büschen!"

"Wir schlagen den Ball, mit dem Sandwedge aus dem Bunker - doch dem Ball gefällt es im Sand - daher hüpft nur er einen halben Meter weiter und "lacht" uns aus einem Schuhabdruck, den ein Golfer vorher hinterlassen und nicht geharkt hat, entgegen!"

"Wir haben das Green genau gelesen, die Bodenwellen einkalkuliert, geben dem Ball mit dem Putter einen leichten Stoss. doch was tut der - er läuft gnadenlos direkt am Loch vorbei und bleibt nach Metern liegen!" 

So geht es uns eigentlich auf fast jeder Golfrunde - der Ball macht meistens was er will!

Lesen wir doch einmal seine Klagen. Dann haben wir etwas mehr Verständnis für die kleine weisse Kugel, die uns dann und wann mitunter doch zu einem doch passablen Score verhilft.....

Ich, der Golfball

Ich kam als Golfball auf die Welt,
Bin käuflich schon für kleines Geld
Und bin gewiss nicht zu beneiden,
Fürs Golfballleben voller Leiden!
In Pappe eingesperrt zu dritt
Nimmt uns der Mensch zum Golfen mit.

Dann werd ich mit dem Stift gezinkt,
Weil Golfer sonst den Golfer linkt!
Gleich jagen sie mich in ein Loch
Und Schläge krieg ich vorher noch,
Doch trotz Erwartung großer Pein
Will ich ein braver Golfball sein.

Mit Vorsicht legt man mich auf´s Tee,
Aus Angst erzittern meine Knie!
Dann haut der Mensch mit aller Kraft
Und jubelt noch, wenn er es schafft,
Dass ich den vollen Blattschuss kriege
Und weit ins Ungewisse fliege.

Wie ich mich noch vor Schmerzen winde,
Da klatsch ich gegen Baumes Rinde!
Es schallt vernehmlich klack, klack, klack,
Ich pralle von den Bäumen ab
Und stürze mit verzerrtem Blick
Aus 15 Metern auf´s Genick!

Von ferne hör ich lautes Fluchen,
Dann rückt man an, um mich zu suchen!
Ich stell mich taub, ich mach mich klein,
Und krieche schnell ins Laub hinein,
Da tritt schon einer auf mich drauf
Und hebt mich triumphierend auf.
Doch statt mich wunden Kerl zu pflegen,
Mich sanft ins grüne Gras zu legen,
Lässt man mich jetzt von oben fallen
Und wieder auf die Erde knallen!
Das nennen diese Deppen droppen!
Die Bosheit ist nicht mehr zu toppen!

Dann endlich lande ich im Loch!
Der Unmensch jubelt: „Geht doch noch!“
Ich hoffe auf ein wenig Ruh,
Da komm´n auf mich zwei Finger zu,
Ich werd vom Handschuh, schweißgetränkt,
In eine Hose rein gezwängt
Und zittre dort mit Weh und Klag,
Vorm nächsten, gnadenlosen Schlag.

Schon wieder lieg ich auf dem Tee,
Mir stockt mein Herz, mir schwankt das Knie!
Ich bete still mit ganzer Seele,
Dass mich der derbe Drive verfehle!
Schon holt der Unmensch mächtig aus
Und prügelt mein Gekröse raus!
Zur Strafe mache ich einen Satz
und nehm vorm Damen-Abschlag Platz!

Schon wieder flieg ich durch die Luft
Geschlagen durch den üblen Schuft,
Dann lande ich mit lautem „Platsch“
In einem Wiesenstück aus Matsch!
Vergebens hoffe ich verdreckt,
Dass er mich diesmal nicht entdeckt,
Doch schon beginnt das Ding zu kreisen
Das grauenvolle Siebner-Eisen
Und wieder macht es lautstark „Wuff!“
Und wieder haut er auf mich druff!

Ich mache nie die Arbeit recht!
Mal meckert man, ich läge schlecht!
Mal flieg ich übers Fairway raus,
Mal komm ich nicht beim Bunker naus,
Dann wieder treff‘ ich nicht das Loch,
Dann nicht die Bahn, dann weder noch!
Die Schuld fällt immer nur auf mich,
Kein Mensch sucht mal die Schuld bei sich!

Schon wieder werd ich aufgeteet,
Schon wieder flieg ich ins Gebiet!
Mein Hintern tut entsetzlich weh,
Als ich von oben plötzlich seh
Mit hohem Gras ein dichtes Rough,
Mit letzter Kraft ich´s dorthin schaff!

Schon wieder kommen sie mich suchen,
Schon wieder ein vernehmlich Fluchen!
Das Gras wird gnadenlos durchkämmt,
Und man verwünscht mich ungehemmt.
Wie nach Verbrechern fahndet man
Bis einer mich entdecken kann.

Wie kann ich diesem Jammerleben,
Denn bloß mal eine Wende geben?
Ich könnte mich in dichten Hecken
Bei öden Zecken mich verstecken!
Ich träum´ von einem tiefen Graben,
In dem sie mich begraben haben!
Dass ich in einen Tümpel fliege,
Dadurch die Seebestattung kriege!
Dass ich im dichten Laub verende,
Wo mich kein Pilzesammler fände!
Dass mich erlöse von der Not
Ein würdevoller Gnadentod!


Jetzt wissen wir's, welch'  jammervolles Leben er hat, der Golfball. Jetzt sollten wir  uns,  auf die Brust klopfend, eingestehen: "mea culpa"  - ich und nur ich bin  meist  selbst verantwortlich, wenn der Ball nicht das tut was ich wollte!

Aus :    
Jörg Hellmann
„Kleine Geschichten über Golf“
ISBN: 978-3-9810380-8-8
Bahn 10 S. 65 ff.