Golf - Der Hund als "Golf-Caddy"!


Angeblich zählt gerade Deutschland weltweit zu den Hunde-freundlichsten Ländern: 5,5 Millionen Menschen sollen es sein, die einen Pinscher, Dackel, Pudel, vielleicht auch einen Bernhardiner oder gar einen Mastiff als vierbeinigen Hausgenossen ihr Eigen nennen. 

Da liegt es doch auf der Hand, dass es auch eine entsprechend große Anzahl Golfer als Hundehaltern gibt.  Statistisch gesehen, wären das  an die 120.000 golfende Hundeliebhaber. Ergo ist -nach "Adam Riese"- jeder fünfte Golfer "behundet“ und will  - wie könnte es anders sein, so oft es geht seinen vierbeinigen Liebling
"Golf-Hund" (Foto:hundezeitung.at)
auf eine der 801 Golfanlagen, die es allein deutschlandweit gibt, mit auf die Golf-Runde nehmen!



Aber Hunde am Golfplatz?
Das ist doch sicher nicht  jedermanns Sache! Viele Golfer sind  aus verständlichen und durchaus auch nachvollziehbaren Gründen dagegen!

Das Für und das Wider
Nehmen wir nur einmal an, dass auf einem  18-Loch-Platz  pro Loch  ein 4er-Flight spielt, so sind zeitgleich 72 Golfer auf der Runde. Wenn nur jeder fünfte Golfer seinen Hund dabei hat, wären es, grob gerechnet,  zehn Vierbeiner, die Herrchen oder Frauchen zeitgleich am Golfplatz begleiten. 
Ob da nicht die Hölle los wäre? Fakt ist, dass einfach nicht alle Hobbys miteinander zu vereinbaren sind. Golfspielende Hundebesitzer, die ihren treuen Begleiter mit auf die Runde nehmen wollen, damit er "Auslauf" hat, werden bald eines Besseren belehrt: Die meisten Golfclubs,  egal  in  welchem Land rund um den Erdball, akzeptieren keine Hunde auf ihren Anlagen. .
Die ablehnenden Argumente von Club-Managern klingen für den normalem Menschenverstand durchaus plausibel:
  • Welcher Golfer will schon seinen Ball in einem Hundehäufchen wiederfinden?
  • Kein Golfer freut sich über lautstarkes Gekläff: Denn fängt ein Hund an, dann bellen die anderen auch.
  • Ärgerlich ist zudem, wenn Hunde anfangen Löcher zu graben. 
  • Oder sie gar der Jagdtrieb packt , weil sie die Witterung eines Wildtiers, die es ja auf Golfplätzen gibt, aufnehmen.
Es soll ja  durchaus auch vorkommen, dass Menschen allergisch auf Hunde reagieren, vielleicht auch eine  Hundephobie haben. Andere wieder, haben Angst vor Hunden: Weil sie irgendwann schlechte Erfahrungen mit einem Hund gemacht haben. 
Aus welchen Gründen auch immer, jemand Hunde ablehnt – sie haben das Recht, dass auf sie ebenfalls Rücksicht genommen werden. 

Einige Golfclub-Verantwortliche führen zum unterstreichen ihrer ablehnenden Haltung, einen Vorfall an, der vor einigen Jahren zwischen Hunden auf einem Golfplatz in England  passierte und durch die Presse ging:

Hund beißt am Golfplatz zu
Dabei wurde 1995 "Nikki" der Hund des damals 33jährigen englischen Profigolfers Andrew Raitt im >Georges Hill Golfclub< von Weybridge nahe London,  in einen Kampf mit dem Schäferhund "Zomba" verwickelt. Raitt versuchte die Hunde zu trennen, dabei  biss ihm der Schäferhund  das erste Glied des kleinen Fingers der linken Hand ab. Er klagte  daraufhin den Hundebesitzer Jeremy Lunn auf eine Million Pfund Schadenersatz  für entgangenen Verdienstausfall, den er als Golfprofessionell lukriert hätte: Dem Richter demonstrierte er, dass er den Schläger, durch das fehlende Fingerglied  nicht mehr richtig - mit einem entspannten Griff halten kann. So  wurde ihm die Chance auf eine finanziell lukrative Golfkarriere genommen.

Ein bedauerlicher Einzelfall? 
Bis auf den geschilderten Vorfall, der ja doch eher "glimpflich" ausgegangen ist, sind keine weiteren Attacken von Hunden auf  einem Golfplatz  bekannt geworden.
Doch wer übernimmt die Garantie, dass so etwas nicht wieder passieren kann, wenn das Hundeverbot auf Golfplätzen gelockert wird? 

Fest steht, dass Bissverletztungen durch Hunde in den letzten 20 Jahren zugenommen haben. 
Wie in der Fachzeitschrift "Der Chirurg" nachzulesen ist, werden pro Jahr an die 35.000 Bissverletzungen durch Hunde angezeigt - die Dunkelziffer ist bedeutend höher. Wobei es gänzlich unerheblich ist, ob der Hund der zugebissen hat,  klein, mittel oder gross war  - Bisswunden dürfen nicht unterschätzt werden: Auch wenn sie nicht bluten! 
Das gilt auch für   punktuelle, kleine Bisskanäle im Bereich von Armen und Beinen - sie bergen ein hohes Risiko für Infektionen bis hin zur Tollwut. Ein Viertel der durch Hundebisse entstandenen Verletzungen muss sogar operiert werden  - in vielen Fällen bleiben Spätfolgen zurück:  Aber auch Ängste - oft Albträume.
Jedenfalls ist der volkswirtschaftliche Schaden der  durch Biss-Verletzungen entsteht gross: Denn gerade Hundebissverletzungen haben eine hohe Komplikationsrate. Allein die durchschnittliche Behandlungsdauer einer infizierten Bissverletzung beträgt, wie eine Studie belegt,  mindestens drei Monate. Dazu kommen Behandlungskosten, sie betragen im Schnitt 6,100 Euro - pro Patient und zusätzlich Arzneimittel, Therapien.... Nicht zuletzt auch Folgekosten durch Arbeitsunfähigkeit und natürlich Schadenersatz und/oder Schmerzensgeld. Das hat,   falls nicht durch Versicherung gedeckt, natürlich der Hundebesitzer zu tragen.

Ist es nur eine Frage der Erziehung?
Stichhaltige Argumente von der einen Seite, doch Hundefreunde halten dagegen: Vor allem machen sie geltend, dass solche „Seltene Einzelfälle  als willkommener Anlass für die um sich greifende Hunde-Verbots-Hysterie sind"! Sie vertreten die Meinung, dass  ein artgerecht gehaltener, zuverlässig erzogener Hund keine Probleme bereitet - auch nicht am Golfplatz. Vor allem weil er ja  an der Leine geführt, sein Herrchen oder Frauchen begleitet. Und sie bemängeln  fehlende Toleranz und den  positiv geprägten Umgang mit Hunden.

Doch kann es nicht auch am Golfplatz zu Situationen kommen, in denen ein sonst ruhiger, gut erzogener Hund irgendwann doch seine gute Erziehung vergisst - seinem angeborenen Instinkt nachgibt? Vor allem wird ein Hund - als Rudeltier, das er nun einmal ist- seinen Herrn immer verteidigen, wenn er glaubt dass dieser angegriffen wird. 

Braucht es mehr Toleranz?  
Torwart-Legende Sepp Maier wollte das Verständnis zwischen Hundefans und -gegnern steigern: "Ich will den Leuten ihre
Voreingenommenheit nehmen und zeigen, dass sich ein Hund auf dem Platz besser benehmen kann als mancher Golfspieler", erklärte Maier. "Es ist alles eine Frage der Erziehung und jeder Hund ist nur so gut, wie sein Besitzer." lautet sein Credo.

‘Batzenhofer’

Zusammen mit seinem Hund ‘Batzenhofer’ einem reinrassigen Deutsch-Stichelhaar 
bewies er,  wie vorbildlich sich ein Vierbeiner sogar im Turnier verhalten kann: Kein Laut drang aus der Schnauze, kein Grün berührte
die Pfote, kein Loch wurde gescharrt – und das vier Stunden lang. 
Ob es ihm mit dieser Aktion gelungen ist, Hundegegner  und Golfplatzbetreiber zu überzeugen, damit in Zukunft Hunde am Golfplatz Zutritt haben?  

2 Hobbys schlecht vereinbar
Weil aber bis jetzt nur sehr wenige Golfclubs bereit sind, Hunde als Begleiter zu akzeptieren, wählen zahlreiche Hundehalter ihren Golfclub 
danach aus, ob ihr Vierbeiner dort willkommen ist. Ja selbst im Urlaub bevorzugen Hundebesitzer Golfanlagen, auf denen Hunde Platzerlaubnis haben. 
Denn wer seinen Urlaub mit Hund verbringen möchte - gleichzeitig auch den einen oder anderen Golfplatz bezwingen will - für den wird's problematisch. Denn wo bleibt der Hund solange? Zuhause - da ist er jedenfalls in seiner gewohnten Umgebung. Im fremden Hotelzimmer ist es allein für den Hund eher ungewohnt. Und im Auto? Wenn die Sonne... ist es gelinde ausgedrückt  garantiert eine Tortur für jeden Hund!
Die Runde dauert länger als erwartet, die Ungeduld steigt, die Laune sinkt, weil das schlechte Gewissen nagt - denn:   - Bello oder Cindy, die müssen dringend einmal raus. Also wird es wieder einmal nichts mit dem gemütlichen Absacker im Clubhaus; mit einem netten Gespräch; einem vielleicht lustigen Abend......? 
So gesehen würden viele Bereiche - allen voran die Club-Gastronomie, vielleicht sogar auch das Clubleben, profitieren,  wenn   Hunde Platzerlaubnis haben?!

Platzreife für den Vierbeiner?!
Für ein harmonisches Miteinander von Golfern mit und Golfern ohne Hund zu erreichen, hat der Golfclub ‘Gut Brandlhof’ in Saalfelden/Österreich die Golf-Platzreife für Hunde entwickelt.

Hund mit Platzreife
Während die zweibeinigen Golfer für ihre Platzreife insbesondere spielerisches Können und Wissen um die Golfregeln
beweisen müssen, liegen die Kriterien für den Hund im Bereich  der  Etikette.  Zwölf Punkte, die der Hund beherrschen muss, sind unbedingte Grundvoraussetzung. Erst wenn Hund und Herrchen erfolgreich bestanden haben, steht der gemeinsamen Runde nichts im Wege!
Vorausgesetzt natürlich auch andere Golfclubs erlauben Hunden – auch wenn sie eine solche "Platzreife" vorweisen können – den Zutritt.
Zwischenzeitlich  gibt auch anderorts solche und ähnliche Angebote: Etwa im Hartl-Resort - auch hier will man Hund samt Herrn beibringen,  sich auf dem Golfplatz richtig  zu verhalten - um andere Golfer nicht in ihrem Spiel zu belästigen. 
Klingt vielversprechend - oder sind sie vielleicht anderer Meinung? 
Fragt sich nur, ob dadurch ein Hund zum "Golf-Caddie" wird und damit auch seine angeborenen Instinkte vergisst....? 

Golf eine anspruchvolle Sportart
Ruhe und vor allem Konzentration garantieren ein entspanntes, zufriedenstellendes Golf-Spiel. Daher muss auch ein Hund, dem die für ihn eher zweifelhafte Ehre zuteil wird,  sein "Ego" - sprich seine angeborenen Instinkte tunlichst vergessen:
  • Daher  wird nichts  aus einem Bad, in einem der reichlich vorhandenen Wasserhindernisse; 
  • Es wird auch nichts aus  einer fröhlich bellenden Jagd nach den kleinen weissen Kugeln. 
  • Genau so wenig, wie aus einer Verfolgung des  Vogels, der provozierend einen dicken Wurm vor seiner Schnauze aus dem Fairway zieht.
Eine vier Stunden - nicht selten auch länger dauernde Golfrunde und das angeleint an Bag oder Trolley daneben hertrotten. Zwischendurch immer wieder ruhig sitzen - wenn Frauchen oder Herren den Ball schlägt oder einputtet. 
Kein vernünftiger "Zweibeiner" kann ernsthaft glauben, dass sich  ein richtiger Hund so ein Hundeleben wünscht.


"Gleiches Recht für alle, 
wollen alle solange sie selbst davon profitieren!" 

Zitat des 2006 verstorbenen Autors, Satirikers und Menschenfreundes  Wolfgang J.Reus 


Ein Hund am Golfplatz.... 
und das bei einem der bekanntesten Golf-Turniere der Europaen Tour: Der "Alfred Dunhill Links Championship" im Oktober 2012 am Old Course,St.Andrews Carnoustie & Kingsbarns/Schottland
Gerade als der Golfprofi Paul Casey sich zu seinem "Eagle-Put" bereit machte, rannte ein Hund auf's Green - schnappte sich den Ball und rannte davon... Casey nahms, wie man sieht gelassen und lachte!